Dienstag, November 29, 2022
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Steckbrief, Zugzeiten, Verbreitung, Bilder

Blässgans

Die Blässgans ist die häufigste Wildgans Eurasiens. Ihr Brutgebiet erstreckt über ein riesiges Areal von der Tundra bis zur Eismeerküste. Die Brutreviere liegen stets nördlich der Waldgrenze. Weiter südlich schließt sich das Brutgebiet der Graugans an, nördlich überlappt es sich mit dem Brutgebiet der Ringelgans.

Erkennungsmerkmale / Aussehen

Die Blässgans Anser albifrons gehört zur Gattung der Feldgänse (Anser). Die Altvögel unter den Blässgänsen erkennt man an den breiten, unregelmäßigen Querstreifen auf der Brust; jeder Vogel hat ein etwas abweichendes, individuelles Streifenmuster. Diese Querstreifen fehlen allerdings den Jungvögeln. Die ausgewachsenen Blässgänse haben je nach Unterart einen rosa fleischfarbenen oder gelblich gefärbten Schnabel. Rund um den Schnabel zieht sich ein weißer Ring – die namensgebende Blässe dieser Wildgänse – von der Schnabelwurzel bis zur Stirn. Auch die Zwerggans Anser erythropus hat eine solche Blässe, die bei ihr sogar bis über die Augen reicht. Diese Zwerggans überwintert jedoch meist im Osten Deutschlands und taucht aber in geringer Zahl auch an der niedersächsischen Nordsee und ihrem Hinterland auf.

Die Jungvögel der Blässgans haben im ersten Halbjahr noch keine Blässe, d. h. Keinen weißen Ring um ihren noch schwarzen Schnabel. Ihre Bauchseite in einfarbig graubraun ohne die Querstreifen auf der Brust.

Beine und Füße ausgewachsener Blässgänse sind orange gefärbt. Die Blässgans ist mit einer Körpergröße zwischen 65 und maximal 79cm kleiner als die Graugans. Der Ganter der Blässgans wird zwischen 1,9 und 2,4kg schwer, die Gans zwischen 1,6 und 2,1kg. Die Spannweite der Flügel liegt zwischen 130 und 165cm.

Fortpflanzung und Entwicklung

Paare der Blässgänse bilden sich im zweiten Lebensjahr, dann bleiben sie noch 1 bis 2 Jahre sozusagen als Verlobte zusammen, bis sie sich zum ersten Mal paaren und brüten. Blässgänse leben monogam und bleiben ein Leben lang zusammen.Blässgänse können 25 Jahre alt werden, wie anhand der Beringung eines Tieres festgestellt werden konnten.

Brutzeit

Die Brutsaison fällt in den Zeitraum von Mitte Juni bis Juli, jedoch nicht bevor die Schneeschmelze eingesetzt hat.

Wie anscheinend bei unseren Wildgänsen allgemein üblich, kümmert sich nur die Gans um den Nestbau und das Brutgeschäft. Das Nest wird in der Regel in der ringsum sumpfigen Tundra mit ihren durchnässten Böden an einem erhöhten, trockenen Platz angelegt. Oft wird von der Gans auch eine schon vorhandene Nestmulde genutzt.

Das Nest wird locker aus Gräsern und Pflanzenstängeln angelegt, die Nestmulde dann aber vor Brutgebiete gründlich mit Dunen ausgepolstert. Die Brutzeit dauert etwa 4 Wochen. Der Ganter hält sich in dieser Zeit in der Nähe des Nestes auf, um Nesträuber und andere Eindringlinge fernzuhalten.

Schlüpfen die Gössel, dann werden sie aber meisten von beiden Eltern geführt. Die Jungen werden Ende August flügge.

Die Küken haben eine braune Oberseite, während die Bauchseite gelblich bis weißgrau gefärbt ist. Stirn und Gesicht, Kehle u die Vorderseite des Halses sind gelblich weiß gefärbt. Ein dunkler Streifen reicht vom Schnabel bis zum Auge. Der dunkelgraue Schnabel hat einen cremefarbenen oder rosa Nagel. Beine und Füße habe eine dunkelgraue Farbe. Mit zunehmendem Alter der Küken wird der Schnabel hell-rosa mit einer schwarzen Spitze. Beine, Füße und Schwimmhäute nehmen eine gelblich rosa Färbung an. Diese Veränderung in der Färbung von Schnabel und Körpergefieder vollziehen sich noch bevor die Jungvögel flügge werden.

Lebensweise

Blässgänse sind sehr gesellig, ruflustig und besonders laut. Ziehen sie in Scharen umher, dann ertönt ihr vielstimmiger Ruf, der wie ein „kju-koz“ oder „ki-lik“ klingt. Ihre Stimmlage ist höher und die Lautabfolge schneller als bei der Graugans. Sind die Blässgänse aber mit dem Beweiden der Nahrungsgründe beschäftigt, dann ähnelt ihr „gragagaga“ dem der Graugans.

Während der Mauser im Hochsommer sind die Eltern völlig flugunfähig und die Jungvögel noch nicht flügge. Dann bilden die Blässgänse große Bestände, die sich bei drohender Gefahr aufs Wasser flüchten.

Ernährung

In ihren nordischen Brutgebieten ernährt sich die Europäische Blässgans hauptsächlich von Süß- und Sauergräser, sowie von Wollgräsern, außerdem von Molte- und Krähenbeeren.. In der Mauser fressen sie sogar u. a. Schachtelhalmgewächse. In den Winterquartieren fressen sie Süßgräser, die grünen Triebe der Meeres-Salde und ernähren sich von der Wintersaat der Getreide.

Verbreitung

Während in Eurasien ausschließlich die Nominatform der Blässgans Anser albifrons albifrons brütet, brütet die Unterart Anser albifrons flavirostris, die Grönland-Blässgans, an der Ostküste Grönlands, sie überwintert in Irland und Teilen Schottlands. Die Grönland-Blässgans wird größer als die Europäische Blässgans.

Drei weitere Unterarten der Blässgans kommen in Nordamerika vor: Das größte Brutgebiet nimmt Anser albifrons gambei ein, es erstreckt über die gesamte Nordküste Amerikas, von der Mackenzie Bay bis Nord-Ost Kanada. Diese Unterart überwintert im mittleren Westen und im Südwesten der USA. Demgegenüber ist das Brutgebiet der vierten Unterart, Anser albifrons sponsa, der Pazifik-Blässgans, wesentlich kleiner und erstreckt sich über Teile der Westküste Alaskas und Ostsibirien. Diese Unterart überwintert teilweise in Kalifornien, teilweise aber auch in Mexiko. Das Brutgebiet der fünften Unterart, Anser albifrons elgasi, die Tule-Blässgans, ist auf eine verhältnismäßig kleine Region an der Südküste Alaskas beschränkt. Das Winterquartier teilt sie sich mit Anser albifrons sponsa in Kalifornien.

Zugverhalten und Zugziele

Auffallend bei der Europäischen oder besser gesagt Eurasischen Blässgans Anser albifrons albifrons ist das riesige, zusammenhängende Brutgebiet im Norden und im Gegensatz dazu die verhältnismäßig kleinen, weit auseinanderliegenden Überwinterungsgebiete in Europa und Asien. Die westlichste Population überwintert an Teilen der deutschen Ostseeküste, der deutschen, niederländischen und belgischen Nordseeküste und im Süden Englands.

Die etwas östlich brütende Population überwintert vor allem in Ungarn, aber im Unterlauf und Mündungsdelta der Donau, am Schwarzen und Assowschen Meer. Die nächste, weiter östlich brütende Population überwintert im Irak oder an den Südufern der Kaspisee. Daran schließen sich Brutpopulationen an, die in Ostasien, d.h. in China, Japan oder Korea überwintert.

Es scheint verwunderlich, dass trotz dieser weit auseinander liegenden Überwinterungsgebiete, sich in Eurasien keine Unterarten herausgebildet haben sollen – im Gegensatz zu den drei nordamerikanischen Unterarten der Blässgans. Der Grund dafür könnte sein, dass sich die Brutgebiete der eurasischen Blässgänse teilweise überlappen und so ein genetischer Austausch zwischen den Populationen möglich bleibt. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Blässgänse, wenn sie auf dem Rückflug von ihren Überwinterungs-gebieten in ihrem Brutgebiet im Norden eintreffen, erst einmal paarweise oder in kleinen Gruppen umherziehen, bis sie auf ein geeignetes Brutrevier stoßen und dann auch schon ‚mal ganz opportunistisch eine bereits aus dem Vorjahr vorhandene Nistmulde für sich in Beschlag nehmen.

Tipps zur Vogelbeobachtung

In Mecklenburg-Vorpommern, an der Nordseeküste und im Hinterland tauchen die ersten Überwinterungsgäste der Blässgans Ende September auf; ab Mitte Mai treten sie dann wieder den Rückflug in ihre nordischen Brutgebiete an. Dort treffen sie Anfang Juni ein.

Die bei uns überwinternden Blässgänse stammen aus einem Brutgebiet, welches von der europäischen Arktis bis zur sibirischen Kanin-Halbinsel reicht.

Obwohl die Blässgans laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten gehört, darf sie anscheinend in Deutschland teilweise immer noch bejagt werden. Seit Mai 2015 darf sie jedoch nach Novellierung des Landesjagdgesetzes in Nordrheinwestfalen nicht mehr bejagt werden.

Sind die Winter mild, dann bleibt die Blässgans in Norddeutschland, in strengen Wintern zieht sie aber oft weiter bis West-Frankreich. Die einzelnen Familien der Blässgans halten auch auf ihren Zugrouten und im Winterquartier zusammen. Oft taucht die komplette Familie auch im 2. und 3. Winter bei uns wieder auf, bis der Nachwuchs schließlich eigene Wege geht.

Vereinzelt brütet die Blässgans auch bei uns; so hat sich eine kleine Brutkolonie mit 2 bis 4 Brutpaaren bei Neuss am Niederrhein gebildet. Dabei handelt es sich aber vermutlich um Vögel, die aus Vogelparks oder Zoologischen Gärten entkommen sind. Regelmäßige Brutbestände gibt es jedoch inzwischen in den Niederlanden.

In vielen Überwinterungsgebieten ist die Blässgans inzwischen die häufigste Wildgans. So auch im Gebiet des Dümmer. Zählungen m Winter 2016/17 beispielsweise haben einen Bestand von 15.292 Blässgänse gegenüber 2.901 Graugänsen ergeben. Insgesamt betrug die Zahl der im Dümmer überwinternden Vögel 23.800, verteilt auf 35 Vogelarten.

Die Bestände der in Niedersachsen überwinternden Blässgänse teilen sich etwa zu gleichen Teilen auf das Wattenmeer und das Tiefland auf. Die Blässgans besiedel vor allem weites, offenes Feuchtgrünland, ist aber gelegentlich auch auf der Felder des Wintergetreides zu sehen; denn dort wird teilweise für die Gänse stehen gelassenes Getreide gefressen. Auf den Salzweisen sind nur sporadisch Blässgänse zu sehen. Als Schlafplätze werden vor allem Gewässer (Seen, Flüsse oder Meeresbuchten) in der Nähe ihrer Nahrungsplätze genutzt

In Nordrhein-Westfalen, und dort besonders am unteren Niederrhein, überwintern schätzungsweise bis zu 200.000 Blässgänse.Gelegentlich taucht auch die Grönlandgans (Anser albifrons flavirostris) als Irrgast bei uns auf.

Hier können Sie den Zugvogel beobachten

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